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260303 Nachlese II.

Teil II. — Nachlese zu Emile Zola: „Germinal“. (1885) — KI in Allianz mit Kapital oder mit Menschheit?

von Danny Müller

Im ersten Teil habe ich nach dem Verhältnis von Mittel und Zweck unter den formalen Voraussetzungen des Kapitalismus gefragt. Bis heute gilt: Kapital und System behandelt menschliche Tätigkeit funktional. Mensch ist Mittel zur Aufrechterhaltung der Abläufe im Zirkulationsprozeß von Kapital. Das ist keine polemische Aussage, sondern systemlogisch.

Die Arbeit wird durch Technik unterstützt, wenn nicht gar übernommen. Der Mensch, der sich noch stark über Arbeit definiert, wechselt in die Dienstleistung. Er bedient Maschinen, Apparate, sorgt für die Aufrechterhaltung von Systemen und Strukturen.

In kapitalistischen Strukturen wird Dienstzeit zu Arbeitsmittel. Der dafür gebotene Lohn ordnet die Qualität der Existenz. Ziel ist gesteigerter Gewinn. Investitionen orientieren sich an Rendite. Mensch ist formal Arbeitsmittel, Verbraucher, Humankapital. Gesteigerter Gewinn verspricht systemlogisch gesteigerte Qualität der Existenz. In dieser Erwartung ist Mensch in das System eingebunden. Oder anders: Existenz hat sich in die Systemlogik zirkulärer Prozesse des Kapitals eingelassen. Es ist ein eigentümliches Verhängnis.

Durch Optimierung des Kapitals vermittels KI werden die Entwicklungen nun rasant beschleunigt. Einerseits wird die funktionale Seite effizienter. Skaleneffekte steigen. Netzwerkeffekte verstärken Monopole. Große Akteure gewinnen systhemische Dominanz. Andererseits verschwinden Routinetätigkeiten und Handwerk. Konsum wird KI-gesteuert und -prognostiziert. Prekäre Dienstleistungsjobs nehmen zu. Die Mittelschichten schrumpfen. Und weil keine Arbeit ist, lebt ein etlicher Teil der Gesellschaft an einem Existenzminimum.

Die Durchsetzungsfähigkeit normativer Korrekturen hängt stark von der Entschlusskraft und Vertrauenswürdigkeit der Politik und dem wachsenden Bewusstsein des Menschen für seine Situation ab. Menschenwürde wird formal als Zweck anerkannt. Der Mensch soll lernen, sich selbst seiner Würde zu besinnen und sie in sich als existentielles Gebot zu bewahren. Ohne normative Regulierung und selbstbewusstes Auftreten des Menschen in Resonanz mit Realer Welt würde Existenz durch die beschleunigte Systemlogik des Kapitals dominiert.

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