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001 Nachlese Zola

Teil I. — Nachlese zu Emile Zola: „Germinal“. (1885) — Der Mensch als Zweck oder Mittel?

von Danny Müller

Der Roman spielt im 19. Jahrhundert im nordfranzösischen Kohlerevier bei Lille. Der arbeitslose Étienne Lantier findet Arbeit in einem Bergwerk. Er lebt bei armen Bergarbeitern und erfährt die extrem harten Arbeits- und Lebensbedingungen unter Tage: Hunger, Ausbeutung, gefährliche Arbeit und soziale Ungerechtigkeit.

Als die Löhne durch die Bergwerksgesellschaft gekürzt werden, wächst unter den Bergleuten der Unmut. Étienne, beeinflusst von „sozialistischen Ideen“, organisiert einen Streik. Anfangs herrscht Hoffnung auf Solidarität und Veränderung, doch der Streik scheitert. Die Arbeiter leiden zunehmend unter Hunger. Gewalt bricht aus. Das Militär wird eingesetzt. Menschen sterben.

Das Kapital wird fast wie eine Naturgewalt dargestellt – kalt, unpersönlich, zyklisch. Unterdrückung ist hier nicht primär sadistisch, sondern strukturell: Das Kapital ist ausgerichtet auf Gewinnmaximierung. Auf der betriebswirtschaftlichen Ebene spielt das Menschenleben keine Rolle. Eindrucksvoll dargestellt ist das Spannungsfeld zwischen menschlicher Existenz und formaler Systemlogik.

Der Roman hat mich zum Nachdenken angeregt. Dabei sind mir Fragen gekommen. Die möchte ich zur Diskussion stellen. Das Kapital spielt eine ordnende im System. Es schafft dabei nicht nur Fortschritt und relativen Wohlstand. Es erzeugt auch Abhängigkeit und Entfremdung. Es folgt seiner Systemlogik im Streben etwa
nach Wachstum, Optimierung, Gewinnmaximierung.

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